Die Europäische Konferenz zur Geschichte der Sozialwissenschaften fand vom 26. bis 29. März 2025 in Leiden, Niederlande, statt. Unsere Doktorandinnen Wiltrud und Klara präsentierten über soziale Ungleichheiten, die in unserem Korpus von Stellenanzeigen gefunden wurden:
Anhand eines Datensatzes von 10.442 manuell annotierten Stellenanzeigen, der eine Teilmenge eines größeren Datensatzes mit Millionen von Stellenanzeigen darstellt, analysieren wir geschlechtsspezifische Beschäftigungsmöglichkeiten, berufliche Segregation und Lohnunterschiede, indem wir Ansätze des maschinellen Lernens anwenden und benutzerdefinierte NER-basierte (named entity recognition) Modelle trainieren. Unsere Ergebnisse verdeutlichen den bedeutenden Wandel in der Beschäftigung von Frauen in diesem Zeitraum. Während in den frühen Stellenanzeigen Frauen überwiegend als Hausangestellte geführt wurden, verlagerte sich ihre Präsenz auf dem Arbeitsmarkt allmählich durch die Industrialisierung und die zunehmenden Möglichkeiten der Büroarbeit. Gesetzliche Beschränkungen, gesellschaftliche Erwartungen und strukturelle Barrieren begrenzten jedoch den beruflichen Aufstieg und verstärkten die Lohnunterschiede. Die Lohndaten aus den Fallstudien deuten darauf hin, dass frauendominierte Positionen größtenteils niedrig bezahlt blieben, wobei Frauen oft als „Zweitkräfte“ eingestuft wurden und erwartet wurde, dass sie nach der Heirat aus dem Erwerbsleben ausscheiden.
Die Ergebnisse tragen zu den laufenden Diskussionen über die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern in der Arbeitswelt bei und legen nahe, dass das Verständnis der historischen Arbeitsmarktdynamik für die Bewältigung der Herausforderungen des modernen Arbeitsmarktes von entscheidender Bedeutung ist.