Wir freuen uns, dass wir unser Forschungsprojekt kürzlich auf der 5. Internationalen Data Power Konferenz in Graz (4.-6. September 2024) vorstellen durften. Im Fokus unserer Präsentation stand die Rolle privater Stellenvermittler des 19. Jahrhunderts als Vorreiter der heutigen Datenbroker.
Diese Stellenvermittler brachten gegen Gebühren Arbeitssuchende mit Arbeitgebern zusammen und nahmen dadurch eine zentrale Stellung auf dem damaligen Arbeitsmarkt ein. Anhand von 29 historischer Zeitungen aus dem Archiv der Österreichischen Nationalbibliothek und weiterer historischen Quellen wie Berichte von den K. und K. Gewerbeaufsichtsbeamten oder gesetzliche Änderungen, speziell die Novelle der österreichischen Gewerbeordnung von 1907, illustrierten wir das Wirken der privaten Agenturen und deren Einfluss auf den Arbeitsmarkt.
Wir beleuchteten ihre einst dominante Rolle, die zunehmende Kritik an ihren unlauteren Praktiken und den gesellschaftlichen Druck auf öffentliche Arbeitsagenturen, um Marktversagen zu adressieren. Aus unserer historischen Analyse lassen sich auch Parallelen zu heutigen Herausforderungen ziehen: Ähnlich wie damals akkumulieren heute große Tech-Unternehmen enorme Datenmacht, was Kritik und regulatorische Bemühungen wie den Digital Markets Act (DMA) und den Digital Services Act (DSA) hervorruft. Die Notwendigkeit effektiver Regulierung, um Machtmissbrauch zu verhindern, bleibt eine zentrale Herausforderung – damals wie heute.
Unsere Präsentation auf der 5. Internationalen Data Power Konferenz fügte sich gut in das Gesamtthema der Veranstaltung ein. Unter dem Thema unserer Session "Situating Data Power in Data Brokers and their Infrastructures" war unsere historische Analyse der Datenmacht von Stellenvermittlern des 19. Jahrhunderts eine wertvolle Ergänzung zu den anderen Vorträgen und Keynotes, die Themen wie den Missbrauch von Daten in der digitalen Ära, die Machtasymmetrien im Zusammenhang mit KI und die datengetriebene Diskriminierung von marginalisierten Gruppen beleuchteten. Die Konferenz bot eine hervorragende Plattform, um aktuelle und historische Perspektiven auf Datenmacht zusammenzubringen und aufzuzeigen, wie tief verankert diese Probleme in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen sind.